Lannerfalke

 





Ein Lannerfalke

Systematik

Klasse:

Vögel (Aves)

Ordnung:

Greifvögel (Falconiformes)

Familie:

Falkenartige (Falconidae)

Unterfamilie:

Eigentliche Falken (Falconinae)

Gattung:

Falken (Falco)





Art:

Lannerfalke

Wissenschaftlicher Name

Falco biarmicus

Temminck, 1825


Der Lanner oder Lannerfalke (Falco biarmicus) lebt in Afrika, auf der arabischen Halbinsel, in Kleinasien sowie in Italien und auf dem Balkan. Er ist in Mitteleuropa nur als sehr seltener Gastvogel anzutreffen. Die in Belgien, der Schweiz, Deutschland und Polen beobachteten Individuen gelten alle als Gefangenschaftsflüchtlinge. Anerkannte Nachweise von Wildvögeln gibt es lediglich für Tschechien und die Slowakei.[1]

Beschreibung

Vom Wanderfalken kann der Lanner durch die schlankere Gestalt und den schmaleren Schwanz sowie die niedrigere Flügelschlagfrequenz unterschieden werden. Er hat eine Spannweite von 100 cm (Männchen) bis 110 cm (Weibchen).

Der Lanner bevorzugt offenes Gelände wie Stein- und Halbwüsten, an die sich steilfelsige Berge anschließen. In den hohen Felsmassiven befinden sich die Brutplätze des Falkens. Seltener leben sie an Küstenfelsen.

Die Partner eines Lannerpaares jagen vor allem in der Zeit der Jungenaufzucht gemeinsam in Kompaniejagd. Dabei scheuchen sie ihre Beute auf und versuchen abwechselnd, sie zu schlagen. Zu ihrem Speiseplan zählen Vögel wie Dohlen, Rötel- oder Turmfalken, Felsentauben oder Steinhühner, die in der Luft gegriffen werden. Lediglich in sehr nahrungsarmen Wüstengebieten werden Kaninchen, Ratten, Eidechsen oder Käfer am Boden erbeutet.

Ab März legt das Weibchen 3-4 Eier in eine Felsmulde eines Steilhanges. In 32-35 Tagen werden die Eier vom Weibchen ausgebrütet, während das Männchen die Nahrung besorgt. Die Partner eines Paares bleiben das ganze Jahr über zusammen und verlassen auch ihr Revier nicht. Die Jungen streifen hingegen umher, bis sie sich verpaaren und irgendwann ein eigenes Revier gefunden haben.

Bestand

Im 19. Jahrhundert kam es beim Lannerfalken zu starken Arealverlusten und er verschwand sowohl in Spanien als auch in Frankreich. Die Ursachen für diesen Arealverlust sind nicht hinreichend verstanden, klimatische Ursachen spielen wahrscheinlich eine ebenso große Rolle wie eine Verfolgung. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Bestand stabil, nahm dann aber ab den 1950er Jahren stark ab. Dabei spielen neben Abschuss auch der Handel mit dieser Art eine Rolle.[2]

Die IUCN schätzt die Gesamtpopulation auf 100.000 bis 1 Million Tiere und verzeichnet eine steigende Tendenz. Die Art gilt daher als "nicht gefährdet". Der europäische Brutbestand beträgt nur 480 bis 900 Brutpaare. Davon komen etwa 300 bis 600 Brutpaare in der Türkei vor. Etwa 100 bis 140 Brutpaare brüten in Italien.[3]